Die perfekte Reiseapotheke: Was wirklich rein gehört
Die perfekte Reiseapotheke: Was wirklich rein gehört
Eine gut bestückte Reiseapotheke kann im Ausland den Unterschied machen – zwischen einem kurzen Arztbesuch und einem langen Krankenhaustag, zwischen einer vergessenen Tablette und einem abgebrochenen Urlaub. Doch was gehört tatsächlich rein? Und was bleibt zuhause?
Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick – basierend auf den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI), der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und der Deutschen Apothekerkammer (Stand: März 2026).
Foto: Towfiqu barbhuiya / Unsplash
Grundausstattung: Diese Basis gehört immer mit
Unabhängig vom Reiseziel empfiehlt sich eine Kernausstattung, die für häufige Beschwerden auf Reisen gerüstet ist.
Schmerz- und Fiebermittel Ibuprofen oder Paracetamol für Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Fieber. Beide sind rezeptfrei erhältlich, in manchen Ländern jedoch schwer oder teuer zu bekommen. Wer auf einen der beiden Wirkstoffe allergisch reagiert oder ihn aus anderen Gründen nicht nehmen kann, sollte die Alternative einpacken.
Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen Dimenhydrinat (z. B. Vomex) hilft gegen Reisekrankheit; Metoclopramid (rezeptpflichtig) bei stärkerem Brechreiz. Besonders wichtig für Schiffs-, Bus- und Bergstraßenreisen in Ländern mit kurvenreichen Passstraßen.
Durchfallmittel Loperamid (Imodium) hemmt akuten Reisedurchfall und ermöglicht kurze Reisen oder Flüge zu überbrücken – ersetzt aber keine Flüssigkeitszufuhr. Wichtig: Loperamid sollte bei blutigen oder fieberhaften Durchfällen nicht eingesetzt werden, da diese auf eine bakterielle Infektion hindeuten können, die eine Antibiotikatherapie erfordert.
Orale Rehydrationssalze (ORS) Bei Durchfall und Erbrechen verliert der Körper rasch Flüssigkeit und Elektrolyte. ORS-Päckchen sind kostengünstig, leicht und können in Trinkwasser aufgelöst werden. Besonders wichtig bei Kindern und in heißem Klima, wo Dehydratation schnell gefährlich werden kann.
Wundversorgung Pflaster in verschiedenen Größen, Mullbinden, Desinfektionsmittel (Octenisept oder Betadine), Pinzette, Einmalhandschuhe und eine kleine Schere. Für Aktivreisen zusätzlich sterile Kompressen und Steri-Strips. Eine Pinzette ist unverzichtbar für Zecken – besonders in Mittel- und Osteuropa sowie in Asien.
Antihistaminikum Gegen allergische Reaktionen auf Insektenstiche, unbekannte Nahrungsmittel oder Umweltfaktoren. Cetirizin oder Loratadin sind nicht sedierend und damit alltagstauglich; Dimetinden (Fenistil) als Gel zusätzlich für lokale Reaktionen auf Insektenstiche. Wer an einer bekannten schweren Allergie leidet, sollte einen EpiPen einpacken und die Handhabung vorher auffrischen.
Sonnenschutzmittel und After-Sun Besonders für Länder mit intensiver UV-Strahlung sowie für Hochgebirge, wo die UV-Belastung deutlich höher ist als im Flachland. Für Kinder mindestens LSF 50; für Erwachsene je nach Hauttyp und Reiseziel mindestens 30.
Für Fernreisen und tropische Ziele
Bei Reisen nach Südostasien, Afrika oder Lateinamerika kommen weitere Mittel hinzu.
Malariamittel Ob und welches Mittel sinnvoll ist, hängt vom konkreten Reiseziel und der Reisestrecke innerhalb des Landes ab. Chloroquin, Atovaquon/Proguanil (Malarone), Mefloquin oder Doxycyclin – nur eine individuelle reisemedizinische Beratung kann die richtige Empfehlung geben, da Resistenzen und Verträglichkeit stark variieren. Malaria-Prophylaxe ohne ärztliche Beratung ist nicht empfehlenswert.
Mittel gegen Reisedurchfall (Antibiotikum) Azithromycin oder Ciprofloxacin werden in bestimmten Regionen – z. B. Südostasien, Nordafrika, Teilen Lateinamerikas – als Stand-by-Therapie empfohlen. Das bedeutet: Sie werden nur eingesetzt, wenn klare Symptome auftreten, nicht vorbeugend. Auch hier gilt: nur nach ärztlicher Verordnung und Einweisung.
Insektenschutz DEET-haltige Repellentien (mind. 30 %) oder Icaridin bieten den zuverlässigsten Schutz gegen Mücken, Zecken und andere Insekten. Für Regionen mit Dengue oder Gelbfieber ist der Schutz auch tagsüber wichtig, da die Aedes-Mücke tagaktiv ist. Permethrin-Spray für Kleidung und Moskitonetze erhöht den Schutz deutlich.
Wasseraufbereitungstabletten Micropur-Tabletten oder Chlordioxid-Produkte machen unsicheres Trinkwasser keimfrei – unverzichtbar für Trekking oder Aufenthalte in Regionen mit schlechter Wasserversorgung. Alternativ: kompakte Wasserfilter, die auch Viren eliminieren.
Chronische Erkrankungen und Dauermedikation
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, muss frühzeitig planen.
- Ausreichend Vorrat für die gesamte Reisedauer plus Puffer mitführen – Verluste, Verspätungen oder Zollprobleme sind einzukalkulieren
- Ein mehrsprachiger Medikationsplan oder ein ärztliches Attest (mit Wirkstoffnamen, nicht nur Handelsnamen) erleichtert Zolldurchgänge und Notfallbehandlungen im Ausland erheblich
- Insulinpflichtige sollten ausreichend Kühlmöglichkeiten prüfen (viele Fluggesellschaften bieten Kühlung im Service an) und einen doppelten Vorrat im Handgepäck mitführen – der Frachtraum kann einfrieren
- Blutdruckmittel, Herzmedikamente und Gerinnungshemmer: Den Beipackzettel oder eine Kopie mitnehmen; Wechselwirkungen mit in Fernreiseländern üblichen Medikamenten durch einen Arzt prüfen lassen
Was nicht rein gehört
Viele Reisende packen zu viel ein – und das Falsche. Folgendes ist in der Reiseapotheke fehl am Platz:
- Abgelaufene Medikamente – Wirksamkeit und Sicherheit können nach Ablaufdatum nicht gewährleistet werden
- Medikamente ohne klare Indikation – eine Packung „für alle Fälle" verleitet zur falschen Selbstbehandlung und kann schaden
- Cortison-Cremes ohne Rücksprache – falsche Anwendung verschlimmert viele Hauterkrankungen statt sie zu heilen
- Starke Schlafmittel ohne ärztliche Beratung – beeinträchtigen die Reaktionsfähigkeit und können in einigen Ländern als Betäubungsmittel klassifiziert sein
Praktische Tipps für die Reise
Temperatursensible Medikamente (Insulin, bestimmte Impfstoffe) müssen im Handgepäck transportiert werden – der Frachtraum von Flugzeugen kann auf unter -20 °C abkühlen.
Beim Zoll deklarieren – viele Länder haben strenge Regelungen für verschreibungspflichtige Medikamente, insbesondere Opioide, bestimmte Schlafmittel und ADHS-Medikamente. Ein Arztzeugnis auf Englisch schützt vor Konfiskation und rechtlichem Ärger.
Reiseapotheke beschriften – besonders für Reisen mit Kindern: klare Dosierungshinweise auf jede Packung schreiben, am besten auf Englisch und in der Landessprache des Ziellandes.
Notrufnummern aufschreiben – die Notrufnummer des Ziellandes, die Telefonnummer der deutschen Botschaft, der Reisekrankenversicherung und – falls Kinder mitreisen – der nächstgelegenen Giftnotrufzentrale.
Dokumente und Notfallinfos griffbereit halten
Wer im Ausland zum Arzt muss, braucht schnell Zugriff auf Impfpass, Medikationsliste und Versicherungskarte. Wenn diese Dokumente verschlüsselt und offline auf dem Handy gespeichert sind, spart das wertvolle Zeit und verhindert Missverständnisse. Die App Journai wurde genau dafür entwickelt: Reisedokumente sicher speichern, Impffristen im Blick behalten und im Notfall Kliniken und Apotheken in der Nähe auf einer Karte finden – auch ohne Internetverbindung.
Fazit
Eine gute Reiseapotheke ist kein Luxus, sondern Basisausrüstung. Wer frühzeitig plant, einen Apotheker oder Reisemediziner konsultiert und seine Dauermedikation dokumentiert, ist für die meisten Situationen gut gewappnet. Die wichtigste Faustregel: Lieber fünf Minuten in der Beratung verbringen als einen halben Urlaubstag in einer ausländischen Notaufnahme.
Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI) – STIKO-Impfempfehlungen: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Impfkalender/impfkalender-node.html
- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG): https://www.dtg.org/empfehlungen-und-leitlinien/empfehlungen.html
- Deutsche Apotheker Zeitung – Reiseapotheke: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/
- Auswärtiges Amt – Reise und Sicherheit: https://www.auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit/reise-und-sicherheitshinweise
Stand: März 2026. Angaben ohne Gewähr. Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Beratung – besonders bei Fernreisen und bei der Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten.